Digitalisierung mit Hindernissen: Perspektiven auf Digitalisierungsprojekte im Sozial- und Gesundheitswesen

Creators: Wiebe, Annika and Kappe, Miriam and Jurisch, Martin and Swoboda, Walter and Schobel, Johannes
Title: Digitalisierung mit Hindernissen: Perspektiven auf Digitalisierungsprojekte im Sozial- und Gesundheitswesen
Item Type: Conference or Workshop Item
Event Title: 24. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung (DKVF) „Zukunftskompetenz für ein resilientes Gesundheitssystem“
Event Location: Hamburg, Germany
Event Dates: 22.-24. September 2025
Projects: DigiHealth, KompIGA
Type of Paper / Paper No.: Id 626
Date: 2025
Divisions: Gesundheitsmanagement
Abstract: Hintergrund: Das Sozial- und Gesundheitswesen steht vor großen Herausforderungen (z.B. Fachkräftemangel, demographischer Wandel). Digitalisierung wird in diesem Zusammenhang als eine zentrale Möglichkeit gesehen, die Versorgung zu verbessern, Prozesse zu optimieren und (Arbeits)Belastungen zu mindern. Dennoch bleibt der Digitalisierungsgrad in diesem Sektor bislang gering. Viele Digitalisierungsprojekte verharren im Prototyp-Stadium und entfalten keine nachhaltige Wirkung. Zielsetzung: Die vorliegende Interviewstudie untersucht, wie Digitalisierungsprojekte im Sozial- und Gesundheitswesen umgesetzt werden, mit welchen Herausforderungen Beteiligte konfrontiert sind und welche Faktoren von diesen als erfolgskritisch angesehen werden. Methode: Im Rahmen der Studie wurden 6 leitfadengestützte, semi-strukturierte Experteninterviews durchgeführt und nach Kuckartz‘ qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Die Teilnehmenden verfügten über ausreichend praktische Erfahrung in der Konzeption und Umsetzung von Digitalisierungsprojekten im Sozial- und Gesundheitswesen. Die Rekrutierung erfolgte an größeren Einrichtungen. Ergebnisse: Die Analyse zeigt, dass Digitalisierungsprojekte häufig als technische Einzelmaßnahme ohne strategische Einbettung durchgeführt werden. Es mangelt an übergeordneten Digitalisierungsstrategien, an benannten Verantwortlichen (z.B. Digitalisierungsbeauftragte) sowie an institutionellen Strukturen (z.B. Arbeitskreise oder Projektgruppen). Der Fokus liegt vielfach auf der Einführung spezifischer Technologien. Die Notwendigkeit, Prozesse strukturell und organisatorisch weiterzuentwickeln, wird erkannt, bleibt aber teils unberücksichtigt. Oft werden situativ Lösungen eingeführt, um akute Probleme schnell zu lösen. Diese sind auf Grund einer fehlenden Digitalisierungsstrategie oft nicht nachhaltig und bleiben Prototypen oder „Insellösungen“. Die Bedeutung eines begleitenden Change-Managements wird von Teilnehmenden zwar erkannt, eine systematische Umsetzung findet jedoch in deren Einrichtungen selten statt. Zudem besteht ein hoher Bedarf an der Förderung digitaler Kompetenzen, da bestehende Schulungsangebote häufig projektbezogen und nicht flächendeckend sind. Partizipative Ansätze, etwa die Pilotierung neuer Technologien in einzelnen Einrichtungen oder Abteilungen, werden als sinnvoll beschrieben, stoßen allerdings aufgrund fehlender personeller, finanzieller oder zeitlicher Ressourcen an ihre Grenzen. Eine professionelle Projektleitung sowie der Einbezug der Endanwender (KoKreation, Partizipation) gelten als zentrale Erfolgsfaktoren. Implikation für Forschung und/oder (Versorgungs-)Praxis: Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Digitalisierungsprojekte im Sozial- und Gesundheitswesen derzeit unter schwierigen Rahmenbedingungen durchgeführt werden. Fehlende Routine in der Projektumsetzung, begrenzte Ressourcen sowie die noch junge Institutionalisierung entsprechender Strukturen stellen zentrale Herausforderungen dar. Eine Erweiterung der Studie mit einer größeren Stichprobe könnte weiterführende Erkenntnisse bringen und zur Entwicklung systematischer Vorgehensweisen in Digitalisierungsprojekten in dieser Domäne beitragen.
Forthcoming: No
Language: German
Citation:

Wiebe, Annika and Kappe, Miriam and Jurisch, Martin and Swoboda, Walter and Schobel, Johannes (2025) Digitalisierung mit Hindernissen: Perspektiven auf Digitalisierungsprojekte im Sozial- und Gesundheitswesen. In: 24. Deutscher Kongress für Versorgungsforschung (DKVF) „Zukunftskompetenz für ein resilientes Gesundheitssystem“, 22.-24. September 2025, Hamburg, Germany, Paper Id 626.

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