| Creators: |
Kircher, Jennifer and Stolberg, Leona and Eble, Alexander and Allgaier, Claus and Schobel, Johannes |
| Title: |
Nutzerzentrierte Anforderungen an ein minimalinvasives Notfallwarnsystem für alleinlebende Senioren : Ein partizipativer Ansatz |
| Item Type: |
Conference or Workshop Item |
| Event Title: |
60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) "Teilhabe und Ko-Kreation" |
| Event Location: |
Berlin, Germany |
| Event Dates: |
17.-19. September 2025 |
| Projects: |
DigiHealth, stand-by.care |
| Type of Paper / Paper No.: |
/ Abstract 322 |
| Additional Information: |
Open Access |
| Date: |
2025 |
| Divisions: |
Gesundheitsmanagement |
| Abstract: |
Hintergrund
Der demografische Wandel bringt eine wachsende ältere Bevölkerung mit sich, deren Versorgung zunehmend zur gesellschaftlichen Herausforderung wird. In diesem Zusammenhang gewinnt das Konzept des „Aging-in-Place“ immer mehr an Bedeutung [1]. Es ermöglicht älteren Menschen mithilfe technischer Unterstützungen möglichst lange selbstbestimmt daheim zu leben, fördert soziale Teilhabe und trägt positiv zum emotionalen Wohlbefinden bei [2]. Gleichzeitig entstehen durch das Verbleiben im häuslichen Umfeld neue Risiken. Eine neue Statistik zeigt, dass 48,5 % aller tödlichen Unfälle in Deutschland im häuslichen Umfeld geschehen (n=16.388). Rund 91 % (n=14.874) dieser Fälle betreffen Personen im Alter von 65 Jahren und älter [3]. Notfallsysteme spielen deshalb eine zentrale Rolle, um schwerwiegende Folgen zu vermeiden. Bestehende Systeme stoßen jedoch auf Akzeptanzbarrieren: Notfallarmbänder müssen dauerhaft getragen oder manuell ausgelöst werden [4], Sicherheitskameras beeinträchtigen das Gefühl von Privatsphäre [5], und Sturzmatten wirken nur lokal begrenzt. Hinzu kommen hohe Kosten, umfangreiche technische Modernisierungsmaßnahmen und organisatorisch komplexe Einrichtungsprozesse. Es fehlt an nutzerzentrierten Lösungen, die die Bedürfnisse älterer Menschen und ihrer Angehörigen berücksichtigt. Das Forschungsprojekt „stand-by.care“ verfolgt das Ziel, ein alltagstaugliches, niedrigschwelliges Notfallwarnsystem für die eigene Wohnsituation zu entwickeln. Durch die aktive Einbindung verschiedener Beteiligter schon während der Entwicklung soll eine hohe Akzeptanz und Zugänglichkeit sichergestellt werden.
Methodik
Zur Erhebung und Konkretisierung der Anforderungen wurde ein mehrstufiger Ansatz gewählt. Von Dezember 2024 bis Februar 2025 wurden 13 semi-strukturierte Interviews mit alleinlebenden Senioren, Angehörigen und Fachexperten aus dem Gesundheitswesen durchgeführt. Ziel war es, zentrale Anforderungen, Bedürfnisse und Barrieren zu identifizieren. Die Interviews wurden transkribiert und anhand der strukturierten Inhaltsanalyse nach Kuckartz ausgewertet. Auf dieser Grundlage wurden empirisch fundierte Personas mit unterschiedlichen Lebensrealitäten entwickelt, die mithilfe des Goal-Directed Designs erstellt wurden.
Ergebnisse
Insgesamt nahmen 13 Personen an der Studie teil. Das durchschnittliche Alter betrug 78 Jahre in der Gruppe der Senioren, 51 Jahre bei Angehörigen und 39 Jahre bei Fachexperten. Die Analyse ergab ein Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und dem Erhalt von Autonomie. Technische Notfalllösungen wurden häufig als unflexibel, stigmatisierend oder als Eingriff in die Privatsphäre empfunden. Zentrale Anforderungen waren eine einfache Bedienbarkeit, diskrete Integration in den Alltag, Geräteunabhängigkeit und die Möglichkeit, das Schutzbedürfnis individuell anzupassen. Ergänzend wurde die Einbindung vertrauter Bezugspersonen gewünscht. Auf der Basis dieser Interviews wurden acht systematische Personas entwickelt, die typische Nutzerkonstellationen abbilden. Diese umfassen Dimensionen wie Lebenssituation, Motivation, technische Vorerfahrung, wahrgenommene Barrieren sowie Anforderungen und Einstellungen zu Datenschutz und Finanzierung. Die Personas reichen von technikaffinen Nutzern mit klaren Erwartungen bis hin zu sozial isolierten Senioren mit starkem Unterstützungsbedarf.
Diskussion
Die Ergebnisse zeigen, dass Interviews und Personas eine differenzierte Erfassung der heterogenen Zielgruppe ermöglichen. Im Gegensatz zu traditionellen technikzentrierten Ansätzen wurden aus empirischen Daten detaillierte Personas entwickelt, die in funktionale und technische Anforderungen überführt wurden. Dies liefert praxisnahe Impulse für Entwickler, UX/UI-Designer und Product-Owner. Die entwickelten Personas sind DSGVO-konform, da sie aus Merkmalen verschiedener realer Personen kombiniert wurden. Die Studie zeigt, wie durch aktive Nutzerbeteiligung eine ko-kreative, akzeptanzfördernde Technologie entstehen kann, die Teilhabe im Alter stärkt. Aufgrund der kleinen Stichprobe sind die Ergebnisse vorläufig. Nächste Schritte beinhalten die Weiterentwicklung der Interfaces sowie Usability-Studien im häuslichen Umfeld. |
| Forthcoming: |
No |
| Language: |
German |
| Uncontrolled Keywords: |
Poster ; Ambient Assisted Living ; Aging-in-Place ; Notfallwarnsystem ; Personas ; Partizipation |
| Link eMedia: |
Download |
| Citation: |
Kircher, Jennifer and Stolberg, Leona and Eble, Alexander and Allgaier, Claus and Schobel, Johannes
(2025)
Nutzerzentrierte Anforderungen an ein minimalinvasives Notfallwarnsystem für alleinlebende Senioren : Ein partizipativer Ansatz.
In: 60. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP) "Teilhabe und Ko-Kreation", 17.-19. September 2025, Berlin, Germany, Paper / Abstract 322.
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